8.07.2002 - Thema: „Schlafapnoe“ - wenn aus dem Schnarchen eine Krankheit wird Herr Dr. C. Steppert, Leiter des Zentrums für Schlafmedizin der Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Kutzenberg Ca. 3 % der Bevölkerung leiden an Schlafapnoe! Wenn diese nicht erkannt oder behandelt wird, entstehen erhebliche Folgekosten durch müdigkeitsbedingte Unfälle, fehlerhafte Arbeiten und ärztliche Behandlung. Für einen erholsamen Schlaf muß der Betroffene 3 5 mal verschiedene Schlafstadien durchmachen. Die Schlafstadien unterscheidet man in REM oder Traumphase (hier werden Tageserlebnisse verarbeitet), oberflächlicher Schlaf mit Stufe 1 2 (einduseln) und Tiefschlaf mit Stufe 3 4. Beim Tiefschlaf erholt sich der Körper. 20 30 % REM-Schlaf sind etwa normal. Ein Apnoe-Patient erzielt manchmal bis zu 80% oberflächlichen Schlaf und nur 10 20 % vom benötigten Tiefschlaf oder den Traumphasen. Da kann von Erholung keine Rede mehr sein! Folgende Symptome beobachtet man bei Apnoe-Patienten: unruhiger Schlaf bei 100 % der Betroffenen unregelmäßiges Schnarchen bei 98 % der Betroffenen Tagesmüdigkeit bei 80 % der Betroffenen nächtliches Schwitzen bei 60 % der Betroffenen Folgerisiken: 5-fach höhere KHK-Anfälligkeit (koronare Herzkrankheiten) 19-fach höheres Risiko für apoplektischen Insult (Schlaganfall) Wodurch entsteht Apnoe? Beim Schlaf in Rückenlage schließt sich der Atemweg durch die Zunge, da im Schlafzustand die Muskeln erschlaffen. Mit Beschwerden muß man ab ca. 5 Atempausen pro Stunde rechnen. Der Rekordhalter im Schlaflabor brachte es sogar auf 130 Atempausen. Schlafstörungen können auch durch „Beinzucken“ mit Weckreaktion hervorgerufen werden. (10 15 % der Bevölkerung) Oder durch Missempfinden in den Beinen, mit fast unwiderstehlichem Bewegungsdrang. Zeitzonenwechsel und Schichtarbeit rufen durch unterschiedliche Schlafrhythmen leicht Schlafstörungen hervor. Auch die Schlafzeitverschiebung durch die „Diskotheken-Krankheit“ = am Wochenende die Nacht durchfeiern und am Tag schlafen. Ältere Menschen gewöhnen sich gerne an ein Mittagsschläfchen oder an ein sehr frühes Zubettgehen, dann wundern sie sich aber, wenn sie nachts nur noch schlecht oder gar nicht mehr schlafen können. Wie kann kann man vorbeugen? Schlafhygiene, das Bett sollte schon im Unterbewußtsein seine Bestimmung haben: Kein Fernsehen, Lesen, Essen und Trinken im Bett! Keinen Mittagsschlaf, aber regelmäßige Aufsteh- und Schlafenszeiten! Tag erst ausklingen lassen, keinen Alkohol, kein Nikotin und keine ausgeprägten Aktivitäten vor dem Schlafengehen! Wer nachts nicht schlafen kann, sollte aufstehen und erst wieder ins Bett gehen, wenn ausreichende Müdigkeit eingetroffen ist. Merke: Das Bett ist nur für Schlaf und Sex bestimmt! Man kann sich auch trainieren, indem man dem Körper immer weniger Schlaf gönnt, bis er sich wieder an das Durchschlafen gewöhnt. Welche Therapie kann man einsetzen? Schlafhygiene, siehe oben Alkoholverzicht Gewichtsreduktion eventuell Schlafen in strenger Seitenlage CPAP-Therapie, mit einer Nasenmaske wird nachts die Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege geführt, dieser Überdruck hält die Atemwege frei. In extremen Fällen kann auch eine aufwendige kieferchirurgische Operation helfen. Dabei werden Unter- und Oberkiefer abgetrennt und ca. einen Zentimeter nach vorne versetzt. Dadurch haben die Atemwege mehr Freiheit und können sich nicht so leicht verschließen. Nachteile sind 6 8 Wochen flüssige Nahrung und ca. 1 Jahr Beschwerden. Außerdem braucht man neue Passbilder. Wie lasse ich meinen Apnoe-Verdacht überprüfen? Zuerst muß eine eventuell behínderte Atmung bei einem Hals-, Nasen-, Ohrenarzt kontrolliert werden. Vielleicht hat es auch andere Ursachen. Eine Überweisung in das Schlaflabor kann nur von einem Lungenarzt erfolgen. Der Hausarzt kann nicht dorthin überweisen, aber er kann sich mit dem Schlaflabor zwecks der weiteren Vorgehensweise kurzschließen. Man kann auch vorab mit einem Screening ambulant ein Risiko überprüfen lassen. Trägt man dann ein Gerät, dass die Atmung, den Sauerstoff im Blut und das Schnarchen aufzeichnet. Wer hat Priorität im Schlaflabor? Nicht jeder Ehemann, wo sich die Ehefrau über das Scharchen beschwert. Vorrangig sind Personen, die selbst in anregenden Situationen einschlafen, Berufsfahrer, die Probleme mit dem Wachbleiben am Lenkrad haben und auch vom Schlaganfall gefährdete Patienten. Ergänzend: Menschen mit Down-Syndrom leiden häufig an Atemwegsverengung, folglich auch leichter an Apnoe und sind dadurch in ihrer Leistungsfähigkeit zusätzlich eingeschränkt. Laut TÜV Bayern sind 25 % der Verkehrsunfälle mit Toten und Schwerverletzten eine Folge von Übermüdung. Patienten mit erkannter und richtig eingestellter Apnoe sind voll tauglich im Straßenverkehr. Das Risiko sind unbehandelte und/oder unerkannte Apnoekranke. Das Schlaflabor in Kutzenberg praktiziert mittlerweile seit ca. 12 Jahren. Eine komplette Schlaflaborcomputeraufzeichnung umfasst ca. 700 Seiten Text, der von Hand ausgewertet werden muß. Mit viel Routine kann man das in ca. einer Stunde schaffen. Ergänzend: In Coburg gibt es eine Selbsthilfegruppe Schlafapnoe. Der Ansprechpartner ist Herr Ernst Franke, Am Weinberg 5, 96450 Coburg, Tel/Fax: 09561/29785 | |